Hypericum perforatum
Theoretisch erreicht es zum Johanni-Tag am 24. Juni seine volle Blüte, kurz nach der Sommersonnwende.
Ja nach Region und Wetter verschiebt sich dieser Zeitpunkt häufig nach hinten, und oft habe ich erst Ende Juli geerntet. Dieses Jahr steht es bei mir in all seiner Pracht genau rechtzeitig bereit.
Der Johanni Tag ist Johannes dem Täufer gewidmet, und steht in enger Verbindung mit den zahlreichen heidnischen Bräuchen der Sommersonnwende, der kürzesten Nacht des Jahres. >> Johannistag
Die leuchtend gelben Blüten mit ihren Staubfäden die an die Strahlen der Sonne erinnern symbolisieren das Licht des Sommers.
Zerreibt man die Blüten zwischen den Fingern tritt ein dunkelroter Saft aus, der sich schwer abwaschen lässt. Dies ist der Farbstoff Hypericin, ein wissenschaftlich belegtes und eingehend erforschtes Heilmittel für viele Beschwerden.
Symbolisch wird es besonders mit Blut in Verbindung gebracht, dem Blut dass aus den vielen Stichwunden Jesu Christi bei der Kreuzigung auf Johannes tropfte. Die Verbindung zu Stichwunden zeigt sich auch in den Blättern des Johanniskrautes:
Hält man die zierlichen Blättchen gegen das Licht erkennt man die feinen Poren, viele kleine Löcher – Hypericum perforatum: Der Beiname bedeutet durchstochen.
Das fein verästelte Wurzelwerk, das teilweise auch oberirdisch zu sehen ist, erinnert an unser Nervensystem, besonders an die Nervenendigungen, den letzten Ausläufern an unseren Extremitäten und dicht unter der Hautoberfläche.
Heilwirkungen des Johanniskrautes
Diese drei symbolischen Bedeutungen spiegeln die Hauptanwendungsgebiete des medizinisch genutzen Hypericins deutlich.
1) Licht und Sonne
- Bei depressiven Verstimmungen fehlt es an Licht in der Seele, Hypericin wird v.a. bei der sogenannten Winterdepression eingesetzt, wenn die Tage dunkel sind.
- Hypericin erhöht die Lichtempfindlichkeit der Haut, entfaltet aber andererseits antivirale Wirkungen nur in der Kombination mit Sonnenlicht – toxisch wird es erst ab einer sehr hohen Dosierung.
- Das bekannte Rotöl wird gerne zur Linderung von Sonnenbrand verwendet – das man damit sich nicht anschließend wieder der Sonne aussetzt versteht sich hoffentlich von selbst!
2) Stichwunden und Blut
- Die Pflanze wirkt blutstillend, antiviral und antibakteriell. Sie wird als Hausmittel bei Stichwunden und kleinen Blutungen seit jeher empfohlen
- In der Frauenheilkunde wird Hypericum eine positive Wirkung bei Menstruationsstörungen und Menopause nachgesagt. Die Pflanze enthält Phytohormone und gehört zu den typischen Frauenkräutern der Phytotherapie. Dementsprechend wird vor Wechselwirkungen mit hormonellen Verhütungsmitteln gewarnt!
3) Nervensystem und Schmerz
- Unser psychisches Nervenkostüm wird durch die Wirkstoffe des Johanniskrautes gestützt, es kann wissenschaftlich belegt den Schmerz der Seele lindern.
- Ebenso aber wirkt es auf unser peripheres Nervensystem, besonders auf die empfindlichen Nervenendigungen. So ist es ein sanftes Schmerzmittel, z,B. als Öl auf schmerzenden Hautpartien aufgetragen. Es wird bei Neurodermitis, Gürtelrose aber auch zur Narbenpflege empfohlen.
- In der Homöopathie soll sie zuverlässig die Schmerzen von feinen Stichen lindern, z.B. wenn man sich mit der Nadel in die Fingerspitzen gestochen, oder sich einen Schiefer eingezogen hat – am besten noch unter den Nagel – autsch!! (Das kann ich aus eigener Erfahrung zu 100% bestätigen!)
Johanniskraut lässt sich vielfältig verarbeiten
Rotöl – ein Ölauszug aus den Blüten
Zupfe die Blüten vorsichtig in der Mittagszeit bei Sonnenschein ab, und lege sie in ein gutes Olivenöl ein.
Ich gehe immer gleich mit einem zu 3/4 Öl-befülltem Schraubglas zum Sammeln und gebe die Blüten direkt ins Öl. Alle Blüten müssen gut mit Öl bedeckt sein, und es muss noch genügend Platz sein, damit man die Mischung gut schütteln kann.
Anschließend wird das Schraubglas an eine sonnigen Platz für mindestens 3 Wochen gestellt, und dabei täglich gut durchgeschüttelt.
Allmählich färbt sich das Öl dunkelrot.
In manchen Jahren (wie 2016), wenn der Frühling recht verregnet, und die Sonne sich selten blicken lässt, klappt das mit der roten Färbung nicht so gut – dann bleibt es relativ hell, oder wird leicht bräunlich. DIe Heilwirkung des Öls ist dann vermutlich auch nicht so gut wie erhofft – aber dazu habe ich keine Belege, nur Vermutungen. Es konnte sich durch das fehlende Sonnenlicht wohl nicht genug Hypericin ausbilden.
Wenn das Öl eine gute Farbe erreicht hat wird es filtriert. Dazu eignen sich z.B. Feinstrumpfhosen sehr gut. Ich gebe es noch ein zweites Mal durch einen Kaffeefilter, um letzte Schwebstoffe zu entfernen – aber da ist Geduld angesagt, es dauert ewig!
In entsprechende Fläschchen abgefüllt wird es nun etikettiert und dunkel gelagert. So ist das Rotöl mindestends ein Jahr haltbar. Aber ich muß dazu sagen, dass mir noch nie ein Rotöl ranzig geworden ist (antibakterielle Wirkung?). Es hat mit Sicherheit einen Wirkstoffverlust, aber zur normalen Hautpflege oder in der Küche kann man es immer noch verwenden.
Rotöl eignet sich für die äußerliche Anwendung zur Hautpflege und als Wundöl, aber ebenso kann man es innerlich einnehmen. Dazu nimmt man bis zu 3x täglich einen Teelöffel voll – hier steht die Anwendung für die inneren Krankheiten wie oben beschrieben im Vordergrund.
Johanniskraut Tee
Für den Tee werden nicht nur die Blüten, sondern auch das Kraut verwendet. Dazu werden die jungen Triebe abgeschnitten und bündelweise kopfüber an einem luftigen schattigen Ort aufgehängt.
Wenn sie ganz getrocknet sind empfielt es sich, sie nur grob zu zerkleinern, damit sie in das entsprechende Gefäß passen. Hier eignen sich Teedosen, dunkle Schraubgläser mit Luftlöchern oder kleine Schachteln. Der Tee muß licht- und feuchtigkeitsgeschützt aufbewahrt werden! Richtig zerkleinert wird es erst kurz vor dem Übergießen mit kochendem Wasser. Eine Ziehzeit von 5 Minuten ist absolut ausreichend.
Der Tee kann morgens und abend über einen Zeitraum von 6 Wochen getrunken werden. Seine Heilwirkung ist eher sanft und entfaltet sich besonders durch die regelmässige Anwendung, ist also eher für chronische wiederkehrende Beschwerden gedacht.
Hypericum Tinktur – der alkoholische Auszug
Die Hauptwirkstoffe des Johanniskrautes sind eigentlich fettlöslich, dennoch werden sie in wässrigen (Tee) und alkoholischen Zubereitungen nachgewiesen. Dafür verantwortlich sind wohl die zahlreichen Zusatzstoffe der Pflanze, die eine Lösung in Alkohol ermöglichen. (Genaueres findet ihr z.B. hier)
Wer also für die innerliche Einnahme eine Tinktur bevorzugt, stellt sich auf die selbe Weise wie bei Rotöl einen alkoholischen Auszug her. Verwendet wird statt Öl ein mindestens 38,5 % Alkohol, ansonsten gelten die gleichen Verarbeitungsschritte wie oben.
Blütenessenz Johanniskraut – Auraspray
Diese Zubereitung wirkt vor allem energetisch, die körperlichen Beschwerden stehen hier nicht im Vordergrund. Eine Blütenessenz kann man tropfenweise einnehmen, oder man versprüht sie um seinen Körper herum, in die Aura.
Dazu werden die schönsten Blüten sorgsam gepflückt und in der Mittagszeit bei Sonnenschein in einer Kristallschale mit reinem Wasser eingelegt. Die Wasseroberfläche soll gut mit Blüten bedeckt sein. Die Kraft der Sonne soll die Energie der Pflanze in das Wasser übertragen. Eine Zugabe von Heilsteinen oder ätherischen Ölen ist möglich und kann die Wirkungen verstärken oder erweitern.
Nach etwa 2 – 3 Stunden filtriert man die Essenz und versetzt sie mit etwas Alkohol um sie haltbar zu machen. abgefüllt wird in kleine Tropfflaschen, oder Fläschchen mit Sprühaufsatz.
Die benutzen Blüten muss man nicht wegwerfen! Ich presse sie zwischen Küchenpapier und schweren Büchern, und verwende sie anschließend zur Dekoration der Fläschchen.
Eine ausführliche Anleitung für Blütenessenzen und Aurasprays findest du in diesem Artikel von mir.
Auf diese Weise verarbeitet, bietet Johanniskraut ein vielfältiges Spektrum für deine seelische Anwendung. Sensitive Erfahrungen zeigen folgende Beschreibungen, und sind selbstverständlich sehr subjektiv und nicht nachweisbar:
Es geht um die Abwesenheit von Licht, das Dunkel der Seele – diese kann sich in depressiven Verstimmungen, in häufigen Angstzuständen oder Nervosität zeigen. Die Essenz hat das Licht des Sommers eingefangen und erinnert deine Seele an ihr Strahlen. Sie entzündet ein Licht in deiner Dunkelheit und bringt die Hoffnung zurück. Sanft lässt sie seelische Wunden und inneren Narben heiler werden, und bietet durch das Strahlen des Lichts einen Schutz vor neuen Verletzungen.
Räucherung mit Johanniskraut
Die getrockneten Blüten lassen sich auch gut verräuchern. Sie verströmen einen besonderen Sommerduft und werden, neben den seelischen Wirkungen wie unter der Essenz beschrieben, auch zur Reinigung von Räumen verwendet. Eine Mischung mit anderen „Raum-Reinigern“ bietet sich an. Ich selbst habe damit wenig Erfahrung und kann somit aus erster Hand wenig berichten.
Eine wie ich finde tolle Webseite ist www.Jahreskreis.at, hier findet ihr einen schönen Artikel über das Räuchern, u.a. auch von Johanniskraut.
Johanniskraut homöopathisch verreiben
Eine Besonderheit ist die homöopathische Verreibung von Johanniskraut. Eine sogenannte C4-Verreibung ermöglicht uns einen tiefgehenden Blick auf das Wesen der Pflanze. Sie ist eher als Erfahrungs- und Forschungsarbeit zu sehen, und nicht für therapeutische Zwecke gedacht.
Dazu werden von allen Teilen (Blüte, Blatt und Wurzel) kleine Mengen in Milchzucker verrieben. Der ganze Prozess ist sehr aufwändig und dauert mindestens vier Stunden. Am besten verreibt es sich in einer Gruppe, gemeinsam werden so die Feinheiten des Pflanzengeistes mit Mörser und Pistill freigesetzt, erarbeitet und erlebt. Wer also mehr über die Symbolik und die Kraft dieser Pflanze erfahren möchte kann auf diese Weise zu ganz neuen Eindrücken kommen.
Um den Rahmen dieses Artikels nun nicht komplett zu sprengen möchte ich auf einen Beitrag aus meinem Praxisblog von 2014 verweisen, der beschreibt das Vorgehen und die Erfahrungen einer C4-Verreibung mit dem stinkenden Storchenschnabel: Geranium robertianum – Eine Reise zum Akt der Gnade
Wer Interesse an solch einer Verreibung hat möge sich bei mir melden, ich habe das Johanniskraut entsprechend vorbereitet und würde es gerne in einer Gruppe fertig verreiben und erleben!
Wer sich intensiver für Hypericum in der Homöopathie interessiert, dem möchte ich diese auführliche Seite an´ s Herz legen.
In niedrigen Potenzen (D6 – D12) sollte es in der homöopathischen Hausapotheke nicht fehlen. Es wird u.a. bei Verletzungen nervenreicher Gewebe oder zur Tetanusprophylaxe empfohlen und gilt als „Arnica für die Nerven“
Hinweise zu Nebenwirkungen
Wie eingangs erwähnt gibt es ein zwei Dinge, die man beachten sollte.
- Johanniskraut erhöht die Lichtempfindlichkeit, und sollte im Sommer mit Bedacht verwendet werden. Dies gilt insbesondere für die äußerliche Anwendung von Rotöl. Die anderen Produkte enthalten schwerlich die nötige Konzentration von Hypericin, aber achte bitte auf die ggf. verkürzte Zeit von Lichtschutzfaktoren!
- Es enthält Phytohormone, und in hohen Dosen kann es die Wirksamkeit hormoneller Verhütungsmittel beeinträchtigen (aber da muß man echt Massen davon einnehmen! Lass dich im Zweifelsfall vom Gynäkologen beraten.
- Wenn du unter Depressionen leidest gehe bitte zu einem Therapeuten! Johanniskraut wird überwiegend begleitend eingesetzt, und ersetzt keine fachliche Behandlung. Es gibt so viele verschiedene Formen von depressiven Stimmungen, Johanniskraut unterstützt nicht bei allen!